Selbstfürsorge – Egoismus oder Notwendigkeit?

Selbstfürsorge – Egoismus oder Notwendigkeit?

 

Selbstfürsorge, was heißt das eigentlich? Kümmere ich mich dann nur noch um mich selbst und ist das nicht total egoistisch. An dieser Stelle ein ganz klares Nein oder vielleicht ein Jein. Denn Selbstfürsorge bedeutet gesunden Egoismus zu leben, im Sinne von Selbstliebe und Selbstverantwortung. Das hat auch nichts mit Eigenoptimierung zu tun, sondern vielmehr geht es um die Erkenntnis, dass ich das gleiche Recht habe wie alle anderen auch, dass es mir gut geht, meine Bedürfnisse ernst genommen werden und ich ein Leben in Frieden, Gesundheit und Glück führen darf. 

 

In meiner Massageausbildung wurde uns immer und immer wieder gesagt, entscheidend ist die 50/50 Regel zu beachten. Dies bedeutet 50 % der Aufmerksamkeit ist beim Kunden und 50 % ist bei mir selbst, während ich massiere. Denn nur wenn ich entspannt bin, wenn es mir gut geht und ich mich wohl fühlen, kann ich diese Empfindungen auch an meine Kunden weitergeben. 

Ich finde das zeigt deutlich worum es bei dem Thema Selbstfürsorge geht. Ich darf mit Freude geben, aber ich habe ebenso die Erlaubnis gut für mich selbst zu sorgen, wenn ich nicht irgendwann völlig erschöpft, nervlich am Ende und ausgebrannt sein will. 

Nun gut, aber wie mache ich das nun konkret mit dieser Selbstfürsorge. Dafür habe ich im Alltag gar keine Zeit mehr! 

Ja, ein bisschen Zeit braucht es schon um bei dir zu sein und zu spüren was du brauchst. Den die Selbstfürsorge lebt davon, dass du dich regelmäßig d.h. jeden Tag um dich kümmerst. 

 

Selbstfürsorge ist kein One-Night-Stand

 

Selbstfürsorge bedeutet eine dauerhaft schöne Beziehung mit dir selbst einzugehen und sollte fürsorglich und mit Interesse gepflegt werden, und zwar immer wieder in unterschiedlichen Facetten. Selbstfürsorge lebt eben nicht von der einmaligen Anwendung am Wochenende oder gar erst im Urlaub, vielmehr geht es darum dir täglich einige kleine Routinen einzubauen, die dir helfen gelassen, gesund und ausgeglichen zu sein und zu bleiben. Es hilft dir insgesamt belastbarer zu sein, vor allem wenn im Außen mal wieder der Sturm tobt. Genau dann solltest du Möglichkeiten parat haben, die dich emotional wieder auffrichten und deine Energierspeicher füllen.

 

Selbstfürsorge ist ein Geschenk an uns selbst, wenn wir erlauben auf uns zu achten.

Allerdings ist das nicht immer leicht, manchmal sogar ziemlich anstrengend, den es bedeutet auch permanent in der Eigenverantwortung zu sein. Also nicht mehr zu jammern über wen oder was auch immer, sondern selbst aktiv und wachsam zu sein. Es bedeutet auch unter Umständen disziplinierter zu sein als bisher, sei es beim Thema Sport, Ernährung, deinem Umgang mit deinen Gedanken und Gefühlen. Somit ist Selbstfürsorge auch eine Verpflichtung uns selbst gegenüber und wer hat schon gerne noch mehr Verpflichtungen? Deshalb musst du tatsächlich auch bereit sein deine Komfortzone zu verlassen, dich selbst immer wieder zu reflektieren und vielleicht auch Unterstützung von außen zu holen, wenn du selbst nicht mehr weiterkommst.

Die Selbstfürsorge umfasst unter anderem 4 wichtige Ebenen und ich möchte dir zu jeder Ebene einige Hinweise geben, wie du in diesem Bereich gut und achtsam für dich sorgen kannst.

 

Emotionale Ebene 

  • Versuche so viele positive Gefühle wie möglich in deinem Leben zu erschaffen. Dazu gehören vor allem Dankbarkeit, Freude, Wertschätzung und Mitgefühl. Wir haben die Wahl, jederzeit in unserem Leben den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge in unserem Leben zu lenken. Aber diese Entscheidung musst du immer wieder neu für dich treffen und dich auch immer wieder daran erinnern mehr von diesen positiven Gefühlen zu zeigen. 
  • Beginne für eine Weile ein Dankbarkeits- und Freudebuch mit den vielen kleinen und großen Dingen, für die du Dankbarkeit und Freude empfindest.
  • Lege dir einen Kalender mit Inspirationen oder lustige Sprüchen zu, damit du morgens schon mit einem lächeln in den Tag startest.
  • Erlaube dir, deine Gefühle erst zu nehmen und mit anderen darüber zu sprechen.
  • Übe dich in Vergebung, sie ist ein Schlüssel für innere Freiheit.
  • Gestatte dir Momente in denen du ganz bei dir sein kannst. 
  • Beginne den Tag mit Abschnittsabsichten z. B. so: heute genieße ich mein Frühstück ganz bewusst und in Ruhe; ich werde ganz entspannt und gelassen in der Arbeit ankommen; Menschen, mit denen ich heute Kontakt haben werde ich wertschätzend begegnen; wenn ich zu Hause ankomme, nehme ich nur das positive mit in den Abend. Dies ist vor allem wichtig für die Tagesabschnitte die dir besonders viel Energie kosten z. B. Morgenroutine mit Kindern, Fahrt in die Arbeit mit regelmäßigem Stau, die nervige Kollegin usw. 

 

„Nicht verleiht mehr Überlegenheit, als ruhig und unbekümmert zu bleiben.“

 

Körperliche Ebene (davon hast du bestimmt schon vieles gehört und gelesen)

  • Achte auf deinen Körper mit Entspannungsübungen, Meditation, Massage etc.
  • Wähle die Bewegung, die dir guttut und Freude bereitet, höre dabei auf denen Körper was Dauer und Intensität anbelangt.
  • Ernähre dich gesund und ausgewogen.
  • Achte auf ausreichend Schlaf.
  • Beschäftige dich mit dem Zusammenhang von Psyche und Gesundheit.

 

 

Gedankliche Ebene

  • Frage dich bei wiederkehrenden negativen Gedanken: Wie geht es dir ohne diesen Gedanken? Sei hier mal ganz ehrlich. Vermutlich deutlich besser. Willst du trotzdem diesen Gedanken behalten? 
  • Erforsche deine Glaubenssätze, also deine Grundannahmen über das Leben. Prüfe, ob sie dir noch dienen oder dich behindern und in alten Mustern festhalten.
  • Achte darauf welche inneren Stimmen dich am meisten in deinen Handlungen beschränken. Ist es der Zweifler, der Ängstliche, der Kritiker? Gib dieser Stimme in dir nicht zu viel Raum und erforsche auch die anderen Stimmen in dir, den Starken, den Kreativen, den Idealisten.
  • Frage dich, woher kommt dieser negative Gedanke, das negative Urteil über dich selbst, über andere. Beschäftige dich dazu mit deinem verletzen Anteil in dir, der sich noch nach Heilung sehnt.

 

„Wenn du helle Dinge denkst, ziehst du helle Dinge an dich heran.“ 

 

Soziale Ebene

  • Pflege deine Beziehungen, zu Familie, Freunden und Bekannten soweit sie für dich und dein Leben eine Bereicherung sind.
  • Sei offen für neue Kontakte und schenke auch anderen die Möglichkeit mit dir in Beziehung zu treten.
  • Sei bereit dir und anderen Fehler zu verzeihen.
  • Habe die Größe dich zu entschuldigen, wenn du einen Fehler gemacht hast.
  • Bringe deine Wertschätzung zum Ausdruck, indem du anderen erstmal zuhörst ohne ihnen gleich einen Ratschlag zu erteilen. 
  • Habe den Mut die Menschen zu begrenzen, die sich zu viel Raum in der Beziehung nehmen durch ständiges Jammern und Klagen ohne aktiv etwas zu ändern. 

 

 

Wow, das war eine ganze Menge und vermutlich gibt es noch vielmehr Bereiche die Fürsorge verdient hätten. Tatsächlich ist es eine schöne aber auch eine ganz schön umfassende Aufgabe, diese Selbstfürsorge. Meistens haben wir so ein bis zwei Bereiche wo wir uns gerne damit beschäftigen. Idealerweise sind aber alle Bereiche in einem ausgewogenen Verhältnis und brauchen deine Aufmerksamkeit. Frag dich also wo du für dich noch besser sorgen kannst und dann fange schon heute damit an. 

 

„Kleinigkeiten machen die Summe des Lebens aus.“ 

 

Ich wünsche dir dabei ganz viel Erfolg!

Alles Liebe!

Rose-Marie